Alte Konstruktionen sind kompostierbar und ungiftig. Die Konzeption für die Ausstellungsmöbel entspringt der gleichen Haltung: minimalistischer Aufwand, Verhältnismäßigkeit, Abwägung der Ansprüche. Diese disziplinierende Strategie hat oft eine die Gestalt bereichernde Wirkung.
In einer Torkel wurde der Saft aus Früchten gepresst. Mithilfe des faszinierend konstruierten Torkelbaums, der in unserem Fall zu den größten Vertretern im Bodenseeraum gehört, wurden hauptsächlich Weintrauben bearbeitet. Die Bodmaner Schlosstorkel wurde 1772 gebaut und war bis in die 1960er-Jahre in Betrieb. Im Erdgeschoss wurden die Früchte verarbeitet. Der große, zweigeschossige Dachraum darüber diente als Lagerraum für Getreide. Die charakteristischen filigranen Durchbrechungen der oberen Hälfte der Erdgeschoss-Wände befördern die Durchlüftung des Raums, in dem naturgemäß sehr viel Feuchtigkeit anfiel. Nach einer grundlegenden Sanierung des Gebäudes (mit Unterstützung der Deutschen Stiftung Denkmalschutz) und der Durchführung konservatorischer Maßnahmen am Torkelbaum ist die Fossiliensammlung des Urwelt-Museums in das Fachwerkhaus eingezogen. Wesentliche Baumaßnahme für diesen Zweck war der Einbau einer zweiten Fluchttreppe. Diese wurde aus Tannen- und Eichenholz gebaut. Die Oberflächen sind unbehandelt. Die Treppe wird „natürlich“ alt. Sollte sie eines Tages ausgebaut werden müssen, könnte sie verbrannt oder im Wald abgelegt werden, damit sie dort allmählich verrottet und wieder zu Erde wird. Das gilt für das gesamte Torkelgebäude. Alte Konstruktionen sind kompostierbar und ungiftig. Die Konzeption für die Ausstellungsmöbel entspringt der gleichen Haltung: minimalistischer Aufwand, Verhältnismäßigkeit, Abwägung der Ansprüche. Diese disziplinierende Strategie hat oft eine die Gestalt bereichernde Wirkung. Es werden weitgehend natürliche und einfache Materialien verwendet. Die Podeste (Sockel) für die Exponate sind aus gehobelten, unbehandelten Tanne-Brettern vom gleichen Zimmermannsbetrieb gefertigt, der auch das Haus bearbeitet hat.