Tor­kel­häu­ser

Grund­an­nahme ist, dass das zeit­ge­nös­si­sche Bauen sehen­den Auges den Kri­te­rien einer Nach­hal­tig­keit in vie­len Berei­chen wider­spricht. Das beginnt mit der Mate­ri­al­wahl, der Kon­struk­tion, den for­ma­len Vor­stel­lun­gen, dem hohen Maß an Tech­ni­sie­rung und endet bei einer nach oben nicht gede­ckel­ten Anspruchs­hal­tung an Flä­chen­größe und Komfort.

Auf einem Grund­stück in Bod­man sol­len 2 Häu­ser mit jeweils 2 Woh­nun­gen errich­tet wer­den. Alle am Bau betei­lig­ten Per­so­nen brin­gen ihre Bau­erfah­rung pla­nungs­be­glei­tend, von Beginn an in den Ent­wick­lungs­pro­zess ein. Das Thema für Archi­tek­tur und Kon­struk­tion ori­en­tiert sich an den Kri­te­rien des EINFACHEN BAUENS. Das zeit­ge­nös­si­sche Bauen ist zuneh­mend von Fabri­ka­ten und Tech­nik bestimmt. Durch viel­fäl­tige Abhän­gig­kei­ten, die auch in lan­gen Lie­fer- und Pro­duk­ti­ons­ket­ten begrün­det lie­gen, ent­wi­ckelt sich oft eine Eigen­dy­na­mik. Diese ent­kop­pelt Bedarf und bau­li­ches Ergeb­nis. Vor­schrif­ten und Regeln, die zu einem nicht uner­heb­li­chen Anteil auf die Ein­fluss­nahme der Bau­in­dus­trie zurück­zu­füh­ren sind, ver­un­klä­ren die Pla­nungs- und Bau­pro­zesse teil­weise vor­sätz­lich. Zum Schluss gesellt sich ein Sicher­heits- und Absi­che­rungs­den­ken zu den schier nicht mehr lös­ba­ren Pro­blem­stel­lun­gen. Der Archi­tekt stellt das kaum noch in Frage. Durch modi­sche Designs und die oft damit in Zusam­men­hang ste­hende Negie­rung einer Logik, die sich aus der gebau­ten Kon­struk­tion ent­wi­ckeln könnte, wer­den die Lebens­zy­klen der Bau­werke immer kür­zer. Inzwi­schen gibt es wich­tige Impulse in der Archi­tek­ten-Szene, die auf die Frag­wür­dig­keit die­ses Trends ver­wei­sen. Grund­lage für die Suche nach dem EINFACHEN BAUEN ist natür­lich eine lieb­volle Hin­wen­dung zur Gestalt der Räume und dem Gebäude als funk­tio­nie­ren­dem Gan­zem. Bei der Mate­ri­al­wahl soll dar­auf geach­tet wer­den, zunächst den Bedarf aus der unmit­tel­ba­ren Umge­bung zu decken. Hierzu gehö­ren z.B. das Holz aus dem benach­bar­ten Wald, die Zie­gel­steine aus der nächs­ten Zie­ge­lei, der Lehm zur Beschwe­rung der Decken, die Fens­ter aus den nächs­ten Fens­ter­fa­brik usw. Die Ver­wen­dung indus­tri­ell bear­bei­te­ter Pro­dukte wird auf das erfor­der­li­che Mini­mum redu­ziert. Es soll ver­sucht wer­den, die Mate­ria­lien in mög­lichst rei­ner Form zu ver­wen­den und die bau­kon­struk­tive Detail­aus­bil­dung dar­auf­hin aus­zu­rich­ten. Das wird eine Ähn­lich­keit mit der Bau­kon­struk­tion des 19. Jahr­hun­derts auf­zei­gen. Ein maß­geb­li­cher Unter­schied wird sich aus der inzwi­schen deut­lich höhe­ren Anfor­de­rung des bau­li­chen Wär­me­schut­zes erge­ben. Holz (unbe­han­del­tes Schnitt­holz), Kalk, Sand, Ton (vor­ran­gig in gebrann­ter Form) und Lehm stel­len den Haupt­an­teil der ver­wen­de­ten Mate­ria­lien. Zement soll in wohl­do­sier­tem Maß für den Beton­so­ckel ver­wen­det werden.