Gespräch mit Rebecca Göttel

Warum sind Sie Förs­te­rin geworden?

Das war für mich ein Her­zens­an­lie­gen. Ich habe als Schü­le­rin ein Prak­ti­kum in einem Tex­til­be­trieb gemacht, in wel­chem mein Groß­va­ter über 30 Jahre lang Betriebs­lei­ter war. Mir hat es miss­fal­len, den gan­zen Tag am Com­pu­ter zu sit­zen — ich wollte etwas Prak­ti­sches machen. Mein Groß­va­ter hat mich schluss­end­lich auf den Förs­ter­be­ruf gebracht. Dar­auf­hin folgte ein Prak­ti­kum beim Förs­ter Zuhause auf der Schwä­bi­schen Alb. Bereits nach einem Tag war mir klar, dass es genau das ist, was ich beruf­lich machen werde.

Wann kamen Sie zu Gut Bod­man und was ist Ihnen bei der Arbeit wichtig?

Ich habe 2023 hier ange­fan­gen. Nach weni­gen Mona­ten folg­ten ein gro­ßer Sturm und im Win­ter dar­auf Schnee­bruch. Da über­all viel zu tun war, habe ich das Revier schnell und inten­siv ken­nen­ge­lernt. Ich liebe es, drau­ßen zu sein und die unter­schied­li­chen Maß­nah­men vor­zu­be­rei­ten. Mir ist es beson­ders wich­tig, etwas an die nächs­ten Gene­ra­tio­nen wei­ter­zu­ge­ben. Es macht gro­ßen Spaß den Wald von Mor­gen mit­zu­ge­stal­ten und das best­mög­li­che Wald­bild zu ent­wi­ckeln. Den Wald für den Kli­ma­wan­del fit zu machen, geht aller­dings nicht in kur­zer Zeit, son­dern braucht Jahr­zehnte. Wir kön­nen im Ver­gleich zur Land­wirt­schaft nicht kurz­fris­tig die ange­baute Sorte wech­seln, son­dern pla­nen auf 80 bis über 100 Jahre. Ich freue mich dar­über, dass aus unse­rem Holz lang­le­bige Pro­dukte wie zum Bei­spiel Möbel, aber auch Bau­holz, Brenn­holz, Schin­deln, Eichen­fäs­ser entstehen.

Geht geschla­ge­nes Holz auch in die direkte Umgebung?

Ja, uns ist es wich­tig, das Holz so regio­nal wie mög­lich zu ver­mark­ten. Wir haben außer­dem drei Christ­baum-Kul­tu­ren und ver­kau­fen die Christ­bäume vor Weih­nach­ten im Ort.

Wie macht Gut Bod­man den Wald für den Kli­ma­wan­del fit?

Wir haben uns lange mit die­ser Frage beschäf­tigt. Die tra­di­tio­nelle Linie der Viel­falt ist das Rich­tige, da wir nicht wis­sen, wie wel­che Baum­art lang­fris­tig auf den Kli­ma­wan­del reagie­ren wird. Wir mischen zu unse­ren bewähr­ten Baum­ar­ten auch soge­nannte Fremd­län­der. Dou­gla­sie und Rot­ei­che behaup­ten sich bei uns bereits seit vie­len Jahr­zehn­ten. Auf diese setz­ten wir auch wei­ter­hin, aber wir tes­ten auch neue Baum­ar­ten-Zusam­men­set­zun­gen oder neue Bäume wie z.B. die Baum­ha­sel, den tür­ki­schen Ver­wand­ten unse­res Hasel­strauchs, der jedoch einen ver­wend­ba­ren Stamm bil­det. 43 Pro­zent unse­rer Bäume sind Buchen und 19 Pro­zent Fichte. Danach kom­men Dou­gla­sie, Lär­che und Esche. Unsere Buche lei­det lei­der mas­siv unter dem Kli­ma­wan­del. Auf­grund von Holz­qua­li­tät und Gefähr­dung für unsere Wald­ar­bei­ter ist es wich­tig, dass nicht über­all abster­bende Bäume im Wald ste­hen. Wenn man zögert, sie raus­zu­ho­len, lei­det der nach­wach­sende Wald dar­un­ter. Wir inves­tie­ren viel in die Pflege der jün­ge­ren Wald­be­stände – auch in Bäume, die von selbst gewach­sen sind.

Haben Sie einen Lieblingsbaum?

Die Els­beere, eine Schwes­ter der Vogel­beere. Das ist eine sel­tene, hei­mi­sche Baum­art, die kli­ma­sta­bil ist und deren Früchte nutz­bar sind.

Gibt es auch so rich­tig uralte Bäume im gräf­li­chen Wald?

Ja, wir betrei­ben Forst­wirt­schaft, aber schauen nicht nur auf die Zah­len. Es gibt Ecken, die einem Urwald glei­chen und in denen nie etwas gemacht wird. Im Bann­wald auf dem Bodan­rück haben wir vor zwei Jah­ren 184 Hektar still­ge­legt. Im Ver­gleich zum gesam­ten Forst ist das eine bedeu­ten­der Anteil. Im Wald gibt es einige außer­ge­wöhn­li­che Natur­ge­bilde. An einer Stelle, die mir gerade ein­fällt, steht auch eine ganz alte Eiche, die einen so dicken Stamm hat, dass es meh­rere Men­schen bräuchte, um sie zu umfassen.

Was macht den Wald auf dem Bodan­rück besonders?

Die Viel­falt hat mich sofort beein­druckt, weil auf klei­ner Flä­che viele ver­schie­dene Baum­ar­ten ste­hen. Das Gelände ver­än­dert sich auch über kurze Stre­cken. Es gibt Buchen­wäl­der im Steil­hang und Nadel­holz-Flä­chen auf der Ebene mit dem ein oder ande­ren Dobel — das ist her­aus­for­dernd, aber die Viel­falt ist wun­der­schön. Meine Lieb­lings­stelle ist der Hang­kante bei Lan­gen­rain, wo man eine groß­ar­tige Aus­sicht hat – das ist mein abso­lu­ter Lieb­lings­platz, an dem ich gerne Mit­tag mache.

Und ihre Hün­din Anni ist im Wald immer mit dabei?

Hunde von Förs­tern kön­nen immer mit. Es ist sehr schön, immer jeman­den dabei zu haben. Anni ist eine Steie­ri­sche Rau­haar­bra­cke, eine Rasse, die in Öster­reich für die Gebirgs­jagd gezüch­tet wird. Ihr machen die vie­len stei­len Hänge und Hügel im Wald nichts aus. Sie liebt das Gelände und ist manch­mal ruck­zuck den Berg oben und war­tet dann auf mich.

Ste­hen und leben in den gräf­li­chen Wäl­dern geschützte Arten?

Ja, viele, bei den Tie­ren zum Bei­spiel Greif­vö­gel. Bei den Pflan­zen gibt es bei­spiels­weise die Orchi­deen. Im Bann­wald lie­fen schon unter­schied­lichste wis­sen­schaft­li­che Arbei­ten zu diver­sen Natur­schutz­the­men in Zusam­men­ar­beit mit der Hoch­schule für Forst­wirt­schaft in Rot­ten­burg. Eine abschlie­ßende Liste zu den Art­vor­kom­men im Bann­wald wird es aber ver­mut­lich allein schon auf­grund der Lage nie­mals geben.

Zur Per­son:

Rebecca Göt­tel ist 27 Jahre alt und stammt aus Alb­stadt. Sie hat Forst­wirt­schaft stu­diert und wurde im Jahr 2023 die Nach­fol­ge­rin von Rei­ner Bickel, als die­ser in den Ruhe­stand gegan­gen ist.